Home»Gladiators»Mein erstes Gladiators-Heimspiel

Mein erstes Gladiators-Heimspiel

5
Shares
Pinterest Google+

Dennis wird am Samstag endlich sein erstes Gladiators-Spiel sehen. Was ihm vorher alles durch den Kopf geht, lest ihr hier.

Kurz vor Weihnachten habe ich mir mein erstes Ticket für ein Gladiators-Heimspiel gekauft. Ein Einzelticket für ein Heimspiel eines Trierer Profibasketballteams, die letzte Anschaffung dieser Art liegt wohl schon zehn Jahre zurück. Ziemlich komisches Gefühl. „Einmal Block A, bitte. Reihe 7.“ „Student?“ fragt die ehemalige Kollegin. „Jou.“
Der Blick aufs Ticketsystem sagt mir, dass ich den Platz wohl auch noch an der Abendkasse bekommen hätte.

Die ersten Monate der Saison bestanden für mich – bedingt durch ein Auslandssemester – aus Spielen am Liveticker, mit etwas Glück auch Streams, deren Qualität dem durch Telekom Basketball und Basketball Stream verwöhnten Zuschauer die Tränen in die Augen treiben kann.
tickerDas ist jetzt die neue Wirklichkeit. Schulturnhallen statt O2-World, Baunach statt FC Bayern, Auswärtsspiele vor 550 Zuschauern. Auch an die überraschend vielen Airballs muss man sich gewöhnen.

Immerhin kenne ich die meisten Spieler, habe sie in den letzten Jahren in der Regionalliga, NBBL und zum Teil sogar JBBL verfolgen können. Auch wenn der Sprung für manche etwas groß sein mag: Es freut mich, dass die Jungs die Chance bekommen sich auf der großen Bühne zu präsentieren und auch immer wieder überzeugen.
Von den Spielern auf den Ausländerpositionen konnte ich zumindest einen Eindruck gewinnen, auch wenn Coach van den Berg es mir mit seiner sprunghaften Personalpolitik nicht ganz leicht macht.

Unter dem Weihnachtsbaum lag „50 Jahre Basketball Bundesliga“. Ich blättere durch Erinnerungen. James Marsh, Carl Brown, Keith Gray. Niemand im Office der Gladiators erinnert sich an diese großen Zeiten oder hat gar ein Spiel der genannten Herren gesehen. So manchem dürften sogar die Namen unbekannt sein.
Wie soll dieser Trupp einen Verein führen, dessen größtes, weil einziges Pfund die Tradition ist?
Mit betriebswirtschaftlichem Sachverstand, möchte man antworten. Bei noch immer fehlenden 150.000 Euro, aufzutreiben in den nächsten drei Monaten, darf hier aber auch vorsichtig gezweifelt werden. Auch die Verpflichtung von Kwadzo Ahelegbe verwundert (Ich weiß, er wird „extern“ bezahlt). Natürlich fehlt mir der detaillierte Einblick in die Zahlen. Aber die Gladiators werden wohl kaum in den Medien ein Bild abgeben, das schlechter ist als die Realität.

youtubeVor wenigen Wochen wurde der Youtube-Channel der TBB Trier gelöscht. Im ersten Moment nur eine Randnotiz, im zweiten Moment stelle ich fest: Die großen Momente der letzten Jahre werde ich mir nie wieder ansehen können. Vom vielleicht größten Coup in der Vereinsgeschichte, der Verpflichtung von Henrik Rödl, über all die großen Momente, die damit zusammenhängen. Drei Siege gegen den FC Bayern, der Überraschungserfolg in Berlin, immer wieder siegreiche Spiele gegen Oldenburg. Aber auch die Spiele gegen die vermeintlich kleineren Teams, die umso wichtiger waren. Insgesamt ein Stück Trierer Sportgeschichte, das so langsam aus dem kollektiven Gedächtnis verschwindet.
Die Insolvenzverwaltung folgt damit auch dem Wunsch der Gladiators, so wenig wie möglich von der alten TBB im Netz übrig zu lassen.
Zum Glück finden sich auf dem Channel von Basketball Stream noch viele Videos. Das meiste aber ist weg.

Anfang Dezember haben wir von SupPorta den Gladiators eine Fanaktion vorgeschlagen, eine Art Partyspieltag mit Choreo, Bannern, viel günstigem Bier, Fan-T-Shirts und sowas. Wir wollten ein wenig Aufbruchsstimmung erzeugen oder zumindest im Rahmen unserer Möglichkeiten dabei helfen.
Tolle Ideen, haben uns gleich mehrere Mitarbeiter versichert. Nach dem dritten Anruf, wann wir uns denn dann mal treffen wollen, und der dritten Antwort, man melde sich nächste Woche bei uns, haben wir dann aufgegeben.

Besonders knapp war es nicht
Besonders knapp war es nicht: 1901 Zuschauer sahen den Charity-Spieltag

Ein bisschen kann ich es auch verstehen: Nach der extrem peinlichen Aktion mit dem Charity-Spieltag hatte man wohl keine Lust mehr auf besondere Spieltage.

Unsere Fanaktion sollte bei einem der Spiele im Januar stattfinden. Der Winter ist traditionell eine tolle Zeit für den Profibasketball. Die Fußballligen sind in der Winterpause, Tickets landen unter den Weihnachtsbäumen und die Kälte treibt die Leute in die warme Arena. Vor 3 Jahren, am 29. Dezember 2012, haben wir vor 4974 Zuschauern gegen den MBC gespielt. Das sollte man sich hin und wieder in Erinnerung rufen, wenn es darum geht, dass die Gegner in die ProA ja nicht attraktiv genug sind, um viele Zuschauer anzuziehen.
Das Team aus Weißenfels lockt wohl kaum mehr als die Bayer Giants Leverkusen. Trotzdem wird auch gegen den Rekordmeister wohl wieder nur eine 1 vorne stehen.
Gleich 4 Heimspiele haben die Gladiators im Januar. Das schreit geradezu nach einer Ticketaktion als Weihnachtsgeschenkidee. Naja, ist jetzt auch zu spät.

1718 ist die durchschnittliche Zuschauerzahl in dieser Saison. Und auch wenn heute auf Schönen Dunk und sonstwo alle wissen, dass das ja ganz normal ist und dass man ja eigentlich zufrieden sein kann im ProA-Vergleich – mit solchen Verhältnissen hatte im Sommer niemand gerechnet. 2500 bis 3000 sind der harte Kern, war man sich einig. Waren wir uns einig. Bis heute glaub ich, dass ein Zuschauerschnitt in diesem Bereich nicht unrealistisch ist. Ungeachtet der Tabellensituation. Aber man muss halt auch was dafür tun.

Wie viele werden es gegen Paderborn? Ich fiebere dem Spiel entgegen, aber die Vorfreude fehlt. Das ist neu: Auch als Basketball längst Job und Routine war, habe ich mich auf jedes TBB-Heimspiel gefreut wie ein kleines Kind. Das große Ziel am Ende einer Woche. Zwei Stunden Spaß und Leidenschaft, auf dem Feld und auf den Tribünen. Aufwachen am Spieltag mit einem Grinsen. Nochmal mit der ganzen Familie hitzig die Ausgangssituation diskutieren.
Das alles fehlt, und ich frage mich, ob es anderen genauso geht. Oder ob der Spaß irgendwann von alleine kommt. Arena, Basketball, grüne Trikots – ist ja irgendwie wie früher. Oder so ähnlich.

Sobald die Halle aufmacht, werde ich da sein. Der Geruch der Arena wird mich, wie immer nach der Sommerpause, innehalten lassen. Mit beiden Händen auf der Bande werde ich den ersten Spielern beim Einwerfen zusehen.
Ich muss mir was Grünes anziehen, allein wegen der Spende an den Nachwuchs, der in dieser Saison noch weniger zu lachen hat als bisher.
Ich werde zwei große Runden durch die Halle drehen, mir einen Hotdog kaufen. Noch ein Bier, dann kann es losgehen. Licht aus.

Vielleicht wird’s ja doch ganz gut. Ich kann es jedenfalls kaum erwarten.

Die Gladiators Trier spielen am Samstag (20:00 Uhr, Arena Trier) gegen die Finke Baskets Paderborn. Tickets gibt es an den bekannten Vorverkaufsstellen und unter www.ticket-regional.de/gladiators

Previous post

ProA-Teams: Oettinger Rockets Gotha

Next post

StammSwish - Der SupPorta Podcast

1 Comment

  1. Ingo Boor
    31. Dezember 2015 at 13:54 — Antworten

    Sehr schön, zusammengefasste Gedanken über unseren Basketball.
    Die Erinnerungen an die glorreichen Zeiten sind nicht verflogen ,
    man spürt, dass viele Leute sich einbringen, um dieses Kribbeln wieder zu spüren.

    Auf ein gutes neues Basketballjahr

Leave a reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


*